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Soziales/Korsika: Welt offen? Entwicklung der Mentalität rund um LGBTQI +

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Soziales
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Wir hindern eine Person nicht daran zu lieben, wen sie möchte: auf Korsika eine schüchterne Entwicklung der Mentalität rund um LGBTQI +. 

Wie lebt man auf Korsika, wenn man nicht heterosexuell ist? Während sich die Mentalitäten in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt haben, weisen LGBTQI+ Verbände und Gruppen auf der Insel immer noch auf die anhaltende Diskriminierung queerer Menschen hin.

In den 80er Jahren war das Offensichtliche  für Christian Ruspini in der Pubertät: Nicht Frauen, sondern Männer waren seine Anziehungskraft. Der Inselschauspieler erinnert sich an ein Treffen mit seinen Weggefährten, in einer Inselgesellschaft, die Homosexualität nicht sehr tolerant gegenüber war. „Da war dieser Wunsch sich zu verstecken, sich nicht zu offenbaren. Schon im jungen Alter wurde einem das Gefühl übermittelt, schmutzig zu sein. Das hinterlässt Spuren, und nicht unbedingt gute Spuren.“

Damals, erinnert er sich, waren es nur wenige, die es wagten, ihre Homosexualität zu offenbaren. Er war einer von ihnen. "Er hatte damit aber Unverständnis und Gewalt erzeugt, die sehr frei ausgedrückt werden konnte. Ich habe verbale und manchmal körperliche Angriffe erlitten."

Diese Ablehnung der Differenz, ihrer Differenz, hat auch der Schriftsteller Claude Arnaud in seiner Kindheit erfahren. Er erinnert sich an die zahlreichen und schweren Tabus, die über das Dorf seiner Mutter in Bozziu herrschten. „Korsika ist so wie es ist, mit seinen Traditionen und Prinzipien. In den Jahren 60 bis 70 war es noch eine der Homosexualität sehr verschlossene Gesellschaft, die sie nicht verstehen konnte und auch nicht verstehen wollte.

Homophobie im Zentrum der öffentlichen Debatte auf Korsika

Seitdem hat sich die korsische Gesellschaft weiterentwickelt und es sind mehrere LGBTQI + -Kollektive und  Verbände entstanden, die das Thema Homophobie in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte gestellt haben. Insulaner, insbesondere jüngere, identifizieren sich eher als "queer"  das heißt, jeder mit einer anderen sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität als Heterosexualität oder cis-Identität (Geschlechtsidentität entsprechend dem Geburtsgeschlecht).

Manche sprechen ohne Tabus über ihre sexuelle Orientierung: Dies ist der Fall von Alexandre Sanguinetti, Journalist bei RCFM. Er versichert:  Sorgen  habe er auf Korsika nie wegen seiner sexuellen Orientierung gehabt. "Gedanken und Bemerkungen, ich hatte sie, aber nicht hier. Beleidigungen, ab und zu, aber ich habe vielleicht einen knallharten Verstand, oder ich bin sehr stur.

Mehr noch, erklärt er, wenn seine Homosexualität ein Teil von ihm sei, definiere ihn das aber nicht. "Ich bin Journalist, ich bin 42 Jahre alt, ich höre Musik, ich male, ich schreibe ... Das ist alles, was mich ausmacht. Ich bin homosexuell, aber nicht nur."

Für andere steckt die öffentliche Akzeptanz ihrer selbst und ihrer Vorlieben noch in den Kinderschuhen. Stella, 15 Jahre jung, erzählt dass sie ihre Anziehungskraft auf Mädchen lange Zeit verschleiert hat, auch in der Schule. Ab der Hochschule lernte ich immer mehr gleichgesinnte und andere Menschen kennen, die mich Akzeptierten und liebten so wie ich bin.

 

Sie können eine Person nicht davon abhalten, zu lieben, wen sie liebt.

Heute weigert sich das junge Mädchen, diesen Teil von sich zu leugnen. „Man kann einen Menschen nicht davon abhalten, zu lieben, wen er liebt. Es ist, als würde ich sagen, meine Lieblingsfarbe ist Blau, und sie sagen ‚Ah, aber warum Blau? Blau ist doch hässlich. So mag ich Blau. Also wenn du mich fragst " aber warum magst du dieses Mädchen? „Nun, weil ich dieses Mädchen mag, so ist es."

Olivier, 15 Jahre jung, machte letztes Jahr nach langen Überlegungen während des Lock-Down sein Trans-Coming-out. Ein Übergang und eine Änderung des Vornamens, an die sich seine Eltern inzwischen gewöhnt haben. "Zuerst hat mir meine Mutter viel erzählt, dass es nur eine Phase währe und dass sie vorübergehen würde, aber jetzt akzeptiert sie es und bemüht sich, mich richtig zu kleiden. Mein Vater hat es wirklich gut aufgenommen und mir gesagt, dass es so ist." Solange ich in meinem Körper glücklich bin, war es für ihn in Ordnung."

Ein Tabu das immer noch zu präsent ist, auch auf Korsika.

Schließlich werden für einen dritten Teil Homosexualität, Bisexualität, Transidentität oder gar Nicht-Binarität noch zu oft versteckt erlebt, aus Angst vor Unverständnis, Zurückweisung, Gewalt und Repressalien.

Wie Sam, 17, eine Gymnasiastin  aus Bastia,  die  von Jungen und Mädchen angezogen wird, "aber besonders von Mädchen". Ein Wunsch, den sie lange zurückgewiesen hat. "Ich hätte nicht gedacht, dass mir das passieren könnte, ich wusste nicht einmal, dass es existiert. Ihre Bisexualität hat Sam bislang nur Ihrer Schwester gegenüber eingestanden. Meine Eltern sind total homophob  und verschlossen, bedauert sie.

Ein Beweis dafür, dass es auf Korsika, wie überall, noch ein weiter Weg bis zur völligen Befreiung der Worte und der Toleranz gegenüber jeder Orientierung oder sexuellen Identität ist. Eine Reise die Schritt für Schritt verfolgt wird, insbesondere im Rhythmus der Entwicklung des Dialogs zu diesem Thema.

 

 

 

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